{"id":32,"date":"2014-04-05T14:00:36","date_gmt":"2014-04-05T12:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.berndackermann.de\/kunstverein_schwetzingen\/wp\/?p=32"},"modified":"2015-01-21T14:36:56","modified_gmt":"2015-01-21T12:36:56","slug":"marc-taschowsky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?p=32","title":{"rendered":"Marc Taschowsky"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"copy\">05. &#8211; 20. 04. 14<\/span><\/p>\n<p><strong>splash pitti platsch<\/strong><\/p>\n<p>Kinder haben heutzutage eigene TV-Kan\u00e4le und Computerspiele und leben in einer phantastischen Bilderwelt, die von unz\u00e4hligen Monstern, sprechenden Tieren und andere Gestalten bev\u00f6lkert wird, die man konservativ als Puppen bezeichnen k\u00f6nnte. Noch vor 60-70 Jahren spielte kind in Deutschland fast ausschlie\u00dflich mit echten Puppen und pl\u00fcschigen Stofftieren und las die wenigen Kinderb\u00fccher der Eltern und Gro\u00dfeltern wie den &#8218;Struwwelpeter&#8216; oder &#8218;Max und Moritz&#8216;. Doch in den 1950er Jahren verbreitete das Fernsehen neue Helden wie das &#8218;Sandm\u00e4nnchen&#8216;, die Marionetten der \u00a0&#8218;Augsburger Puppenkiste&#8216;, amerikanische Comics und Zeichentrickfilme von Walt Disney mit Mickey Mouse oder Donald Duck bis hin zu Tierfilmen mit Lassie, Flipper und Furi.<\/p>\n<p>Das alles wird der 1971 geborene Marc Taschowsky kaum kennen, obgleich ein Oldie wie der gute alte Teddyb\u00e4r auch bei ihm noch lebendig ist. Seine hier vorgestellten Figuren sind etwas j\u00fcnger: Biene Maya, Dinos, Frosch Kermit und andere Puppen aus der Sesamstra\u00dfe bis hin zu Au\u00dferirdischen aus amerikanischen Science-fiction-Filmen der 80er Jahre. Umgekehrt sind einige dieser Figuren \u00e4lteren Betrachtern nicht mehr gel\u00e4ufig. Ein spannendes Feld f\u00fcr die Ikonographie der Zukunft.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Paul Klee spielen die Idole der Kindheit auch in der Kunst eine Rolle. Die Malerei der Moderne, insbesondere der Surrealismus, fand in der Regression ein scheinbar unverdorbenes Reservoire der Phantasie und echten Gef\u00fchle, die man in einer von Weltkriegen gebeutelten Welt als ein Refugium entdeckte. Ja, man kann sogar noch weiter zur\u00fcckschauen und in der Romantik des 19. Jahrhunderts den Beginn dieser Entwicklung sehen. Die Hinwendung zu M\u00e4rchenstoffen und infantilen Sehns\u00fcchten \u00e4u\u00dferte sich in der Malerei, die sich beispielsweise bei einem Moritz von Schwind auch in einem bewusst naiven und kinderbunten Malstil entfaltete.<\/p>\n<p>In diesem Sinne erscheinen die Bilder von Marc Taschowsky kunsthistorisch interessant, insbesondere ikonografisch. Denn seine Kinderfiguren sind nicht nur s\u00fc\u00dfe Zitate. Jede einzelne Figur kann als eine Art moderner Archetyp betrachtet werden, als guter oder b\u00f6ser Charakter, lustig, frech oder traurig. In den Augen eines Kindes sind sie als Identifikationsfiguren nicht anders als die vielen Teufel und Engel der mittelalterlichen Malerei. Vor allem die Tiere verk\u00f6rpern (wie schon im Mittelalter) in der Bildwelt des Marc Taschowsky das B\u00f6se: Gorilla, Orka, Wei\u00dfer Hai und Jaguar sind leibhaftige Angst und Gefahr. Auch die scheinbar s\u00fc\u00dfen Helden wie Pinocchio oder Biene Maya sind nicht nur s\u00fc\u00df, sie verk\u00f6rpern durchaus tragische Figuren. Der Mythos einer unschuldigen und lieblichen Kindheit ist wirklich nur ein M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Im Mittelalter galten Kinder als leichte Beute des Teufels. Der Kirchenvater Augustinus glaubte, dass S\u00e4uglinge in S\u00fcnde geboren werden, als Kinder der s\u00fcndigen Fleischeslust von Mann und Frau, mehr als jeder Erwachsene mit der Erbs\u00fcnde Adams und Evas behaftet. &#8222;Zudem sind sie laut, launisch, eifers\u00fcchtig und triebhaft. Schwach und unschuldig sind nur die kindlichen Glieder, nicht des Kindes Seele.&#8220; Ein Jesusbild von Marc Taschowsky macht deutlich, dass auch er sich mit unserer christlichen Kultur besch\u00e4ftigt und solche Vergleiche sinnvoll sind. Damit kommen wir zu einem zweiten ikonographischen Thema, das in den Bildern des Marc Taschowsky scheinbar v\u00f6llig disparat zum ersten erscheint. W\u00e4hrend der eine Teil als Comic f\u00fcr Kinder ab 4 Jahren frei gegeben ist, scheint der andere Teil f\u00fcr Betrachter unter 16 Jahren verboten.<\/p>\n<p>Die Rede ist von der Sexualit\u00e4t, die in unserer Kultur schon immer aus biologischen wie auch moralischen Gr\u00fcnden m\u00f6glichst lange von Kindern fern gehalten wird. Doch in den Bildern von Marc Taschowsky sieht man Affen, Fr\u00f6sche und Schnecken, die miteinander kopulieren oder Frauen, die sich auf Gummipuppen selbst befriedigen. Sch\u00f6ne Frauen, sexy wie die S\u00fcnde, beherrschen viele seiner Bilder. Sie erscheinen als Pin-up Girl beim Posing, als nasse Nymphen und feuchte Phantasie oder als eine Art Lara Croft. Doch es gibt auch unschuldige M\u00e4dchen, die mit einem Teddy tanzen, auf einer Schaukel tr\u00e4umen oder als unnahbare Sch\u00f6nheiten auf Distanz gehen. Schon Sigmund Freud wies darauf hin, dass der libidin\u00f6se Trieb des Menschen elementar ist und in sublimierter Form die wichtigste Triebkraft des K\u00fcnstlers darstellt.<\/p>\n<p>In Verbindung mit dem Rekurs auf die nur scheinbar unschuldige Welt der Kindheit entwirft Marc Taschowsky mit seinen Sexsymbolen bewusst oder unbewusst Allegorien auf Unschuld und S\u00fcnde, auf das Gute und B\u00f6se in dieser Welt, auf Liebe und Gewalt. Das kann man psychologisch betrachten, oder aber einfach als eine ungeheuer dynamische Malerei, die sich in virtuoser Maltechnik mit sinnlichen Farben und tachistischen Gesten in hohem Ma\u00dfe \u00e4sthetisch entfesselt und damit doch die von Freud geforderte Sublimierung einl\u00f6st.<\/p>\n<p>Dr. Dietmar Schuth<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 25%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-32 gallery-columns-4 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?attachment_id=33'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/00-Marc-taschowsky-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?attachment_id=34'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/01-Gorilla-250x200-2011-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?attachment_id=35'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/02-Kumpelz-100x100-2010-13-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/02-Kumpelz-100x100-2010-13-150x150.jpg 150w, https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/02-Kumpelz-100x100-2010-13.jpg 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?attachment_id=36'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/03-Schnecke-35x35-2013-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p><a href=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Katalog-Taschowsky-kompr.pdf\">Katalog Taschowsky kompr<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05. &#8211; 20. 04. 14 splash pitti platsch Kinder haben heutzutage eigene TV-Kan\u00e4le und Computerspiele und leben in einer phantastischen Bilderwelt, die von unz\u00e4hligen Monstern, sprechenden Tieren und andere Gestalten bev\u00f6lkert wird, die man konservativ als Puppen bezeichnen k\u00f6nnte. 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