{"id":484,"date":"2015-08-19T00:54:31","date_gmt":"2015-08-18T22:54:31","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?p=484"},"modified":"2018-09-07T14:23:46","modified_gmt":"2018-09-07T12:23:46","slug":"484","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/?p=484","title":{"rendered":"Thomas Hildenbrand"},"content":{"rendered":"<p><strong>Engel &#8211; <\/strong><strong>28.11. &#8211; 20.12.2015 in der Schlosskapelle<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auch Engel sind nur Menschen<\/strong><\/p>\n<p>Engel sind das Thema dieser Ausstellung in der Schlosskapelle Schwetzingen mit Holzskulpturen des jungen Bildhauers Thomas Hildenbrand, die der Kunstverein Schwetzingen in der Adventszeit stimmungsvoll pr\u00e4sentiert. Ein passendes Ambiente also, in dem sich diese geheimnisvollen Wesen zwischen Himmel und Erde wohl f\u00fchlen k\u00f6nnen. In dem klassizistischen Bau aus dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert weht freilich schon der Geist der Aufkl\u00e4rung: Er ist schlicht, fast kalt und protestantisch, so dass die katholisch anmutende Figurenwelt des K\u00fcnstlers sehr lebendig zur Geltung kommt.<\/p>\n<p>Auch der K\u00fcnstler selbst, der \u00fcbrigens gar nicht katholisch ist, mag sich hier im Schloss Schwetzingen wohlf\u00fchlen, einer einst mittelalterlichen Wasserburg, die im 18. Jahrhundert zur barocken Sommerresidenz der Heidelberger Kurf\u00fcrsten von der Pfalz ausgebaut wurde. Im weltber\u00fchmten Garten stehen Steinskulpturen ber\u00fchmter Kollegen wie der \u201eLykische Apoll\u201c von Paul Egell, ein Meisterwerk des sp\u00e4ten Rokoko mit der f\u00fcr den K\u00fcnstler typischen L\u00e4ngung der Figur. Egells Sch\u00fcler Ignaz G\u00fcnther sollte diese Eigenart in seinen nahezu gotisch anmutenden Skulpturen weiter entwickeln. Auch Egells Nachfolger im Amt des kurf\u00fcrstlichen Hofbildhauers, Peter Anton von Verschaffelt, zeigt mit seinem \u201eApoll\u201c in Schwetzingen einen \u00fcberaus schlanken Athleten. Thomas Hildenbrand kennt und sch\u00e4tzt diese alten Kollegen alle sehr. Seine eigene Kunst besitzt unverkennbar gotische Merkmale wie auch barocke Elemente, eine reizvolle Stilsymbiose, die Ende des 18. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.<\/p>\n<p>Thomas Hildenbrand ist ein gelernter Holzbildhauer, der in der renommiertesten Schule dieser Zunft in Oberammergau studiert hat. Heute gilt diese Ausbildung als eine durchaus akademische, die mit dem kommerziellen Kitsch der Tourismusindustrie nur noch wenig gemein hat. Er ist ein kunsthistorisch \u00fcberaus kundiger K\u00fcnstler, der alle Traditionen kennt und doch sehr modern zu adaptieren wei\u00df. In diesem Sinne sind seine Skulpturen keine frommen Vesperbilder, sondern Kinder des 21. Jahrhunderts, die sich oft nur vordergr\u00fcndig mit Religion besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Nicht alle gezeigten Arbeiten von Thomas Hildenbrand sind Engel, doch schwebt dieser Titel \u00fcber der Ausstellung als Oberbegriff f\u00fcr Figuren, die alle zwischen den Dimensionen stehen bzw. fliegen. Das gilt auch f\u00fcr antike Motive wie den Ph\u00f6nix, den Hypnos oder den J\u00fcngling in der Arbeit \u201eVon oben\u201c, der mit seinem zerbrochenen Fl\u00fcgelkonstrukt an Ikarus erinnert. Richtige Engel finden sich in den fr\u00fchen Arbeiten \u201eKumulus\u201c und \u201eUnendliches Band\u201c, wo der K\u00fcnstler noch den Typ des nackten Barockputto zeigt. Ihnen muss das Fliegen allein aufgrund ihrer eher unsportlichen Gestalt schwerfallen, w\u00e4hrend die j\u00fcngeren Arbeiten alle schlanke Leichtgewichte darstellen. Hier verwirklicht Hildenbrand den mittelalterlichen Engelstypus, den man seit dem 13. Jahrhundert dem Sch\u00f6nheitsideal des J\u00fcnglings nachempfunden hatte. Eigentlich haben Engel kein Geschlecht, wurden in der fr\u00fchen Kunstgeschichte jedoch mit Vorliebe m\u00e4nnlich phantasiert. Allerdings waren sie stets keusch bekleidet, w\u00e4hrend Hildenbrand sie meist halbnackt zeigt, wie im Barock, und mit einer deutlichen Betonung ihres m\u00e4nnlichen Geschlechts pointiert.<\/p>\n<p>Weibliche Figuren sind bei Thomas Hildenbrand sehr selten, in dieser Ausstellung findet sich nur die Arbeit \u201eKokon\u201c, die haupts\u00e4chlich aus einem blauen, in sp\u00e4tgotischen Sch\u00fcsselfalten aufgew\u00fchlten Kleid besteht und an eine m\u00fctterliche Maria erinnert. Der K\u00fcnstler erz\u00e4hlt, dass er oft mit einer Frau beginnen will, die am Ende aber immer wieder zu einem Mann ger\u00e4t. Denn es geht dem K\u00fcnstler gar nicht so sehr um eine erotische oder gar narzisstische Kunst. Ihn interessiert der menschliche K\u00f6rper, den er \u2013 wie schon in der Sp\u00e4tgotik und dem sp\u00e4ten Rokoko &#8211; in einer oft schmerzlichen Spannung streckt und mit theatralischen Gesten und Bewegungen lebendig macht. Oft zers\u00e4gt der K\u00fcnstler diese K\u00f6rper und rei\u00dft den geschundenen Leibern auch die Engelsfl\u00fcgel ab. Trotzdem gelingt es diesen sehr menschlichen Schmerzensm\u00e4nner immer wieder, die Schmerzen und die Schwerkraft zu \u00fcberwinden, so wie es nur echte Engel k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dr. Dietmar Schuth<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Thomas-Hildenbrand-Phoenix.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-492\" src=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Thomas-Hildenbrand-Phoenix-282x300.jpg\" alt=\"Thomas Hildenbrand Phoenix\" width=\"282\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Thomas-Hildenbrand-Phoenix-282x300.jpg 282w, https:\/\/kunstverein-schwetzingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Thomas-Hildenbrand-Phoenix.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Engel &#8211; 28.11. &#8211; 20.12.2015 in der Schlosskapelle Auch Engel sind nur Menschen Engel sind das Thema dieser Ausstellung in der Schlosskapelle Schwetzingen mit Holzskulpturen des jungen Bildhauers Thomas Hildenbrand, die der Kunstverein Schwetzingen in der Adventszeit stimmungsvoll pr\u00e4sentiert. 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