WHO CARES?!

10.–30. Oktober 2026 | Palais Hirsch, Schwetzingen
Vernissage: Freitag, 9. Oktober 2026, 18 Uhr

Eine Frage als Auftakt

Mit WHO CARES?! beginnt Julia Benz ihre Arbeit als neue künstlerische Leiterin des Kunstvereins Schwetzingen. Die Ausstellung ist dabei kein programmatischer Bruch, sondern ein erster eigener Akzent innerhalb einer gewachsenen Institution. Sie knüpft an die langjährige Arbeit des Kunstvereins an und eröffnet zugleich eine neue Perspektive auf zeitgenössische Kunst.

Im Zentrum steht eine einfache, zugleich offene Frage: Who cares? Wer kümmert sich? Wer trägt Verantwortung?

Der Titel WHO CARES?! lässt dabei unterschiedliche Lesarten zu. Er kann als Aufforderung verstanden werden, Verantwortung zu übernehmen und nach Zuständigkeiten zu fragen. Gleichzeitig steckt in ihm auch die Haltung des Wegschauens: Who cares? – Wer soll sich schon darum kümmern? Gerade dieses Spannungsfeld bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung.

Drei Positionen, drei Perspektiven

Mit Arbeiten von Stefanie Schweiger & Friederike von Rauch, Jagoda Bednarsky und Teresa Halbreiter versammelt WHO CARES?! drei künstlerische Positionen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Arbeit, Körper, Sichtbarkeit und institutionellen Strukturen auseinandersetzen. Die Ausstellung führt diese Positionen nicht zu einer einzigen Aussage zusammen. Ihre Unterschiede sind vielmehr Teil des Konzepts.

Den strukturellen und ökonomischen Ausgangspunkt bildet Disruptive Realities von Stefanie Schweiger und Friederike von Rauch. Grundlage der Arbeit sind Gespräche mit mehr als zwanzig Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen und Disziplinen. Video, Fotografie, Text, Audio und statistisches Material verbinden persönliche Erfahrungen mit Fragen nach Arbeit, sozialer Absicherung, institutioneller Abhängigkeit und künstlerischer Autonomie. Sichtbar werden damit Bedingungen künstlerischer Arbeit, die hinter dem fertigen Werk häufig unsichtbar bleiben.

Jagoda Bednarsky richtet den Blick auf den Körper und das Selbstbild. Ihre Malerei verbindet Motive aus Kunstgeschichte, Popkultur und persönlicher Erfahrung. In der Werkserie Shadowland wird insbesondere die weibliche Brust zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit Körperbildern, Fürsorge und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Weiblichkeit, Mutterschaft, Körperwahrnehmung und Voyeurismus verbinden sich zu vielschichtigen Bildwelten, in denen Vertrautes und Irritierendes nebeneinanderstehen.

Mit STILLGESTANDEN untersucht Teresa Halbreiter das Verhältnis von Individuum und Institution. Ihre Fotografien porträtieren Frauen innerhalb der Bundeswehr und richten den Blick auf die Spannung zwischen Disziplin und Individualität, Zugehörigkeit und Abgrenzung. Im Mittelpunkt stehen die Frauen selbst und die Frage, wie persönliche Identität innerhalb eines stark strukturierten Systems sichtbar bleibt.

So begegnen sich in WHO CARES?! drei unterschiedliche Perspektiven: das System, der Körper und die Institution. Gemeinsam eröffnen sie einen vielschichtigen Blick auf die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen arbeiten, für andere Sorge tragen, Zugehörigkeit erfahren und sichtbar werden.

Kunst geht nach draußen

Ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung ist die Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Kollektiv The GAP Project. Als Programmpartnerin entwickelt und organisiert The GAP Project ein begleitendes diskursives und performatives Programm. Damit bleibt WHO CARES?! nicht auf den Ausstellungsraum beschränkt: Die Fragen der Ausstellung werden in den öffentlichen Raum getragen und gemeinsam mit unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren weiterverhandelt.

Am Samstag, 17. Oktober 2026 um 13.30 Uhr bespielt das Kollektiv Mütterkünste mit der Performance macht:platz den Vorplatz des Palais Hirsch. Das partizipative Projekt betrachtet den öffentlichen Raum aus feministischer Perspektive und fragt danach, wie Räume gestaltet sein müssen, damit sich unterschiedliche Menschen dort sicher und frei bewegen können.

Am Donnerstag, 22. Oktober 2026 um 18 Uhr lädt der Runde Tisch WHO CARES?! ins Palais Hirsch ein. Verschiedene Stimmen aus Kunst und Kultur kommen miteinander ins Gespräch. Ein leerer Stuhl bleibt für Besucherinnen und Besucher frei – denn auch das Publikum ist eingeladen, Teil des Gesprächs zu werden.

Ein Kunstverein als Ort dazwischen

Mit dem Beginn ihrer Tätigkeit verbindet Julia Benz auch eine Vorstellung davon, wie sich der Kunstverein Schwetzingen künftig weiterentwickeln kann. Ein Kunstverein bewegt sich zwischen Museum und Galerie und besitzt gerade dadurch eine besondere Freiheit. Er kann etablierte und jüngere Positionen miteinander in Beziehung bringen, Kooperationen eingehen und auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren.

An diese Möglichkeit möchte Benz anknüpfen. Die gewachsene Identität des Kunstvereins soll dabei nicht gegen zeitgenössische Perspektiven ausgespielt werden. Vielmehr geht es darum, Tradition und Gegenwart miteinander in Beziehung zu setzen und den Kunstverein als offenen Ort für zeitgenössische Kunst, Begegnung und Diskussion zu stärken.

WHO CARES?! ist damit nicht nur eine Ausstellung über Verantwortung. Sie stellt die Frage auch an den Kunstverein selbst: Welche Verantwortung hat eine Institution? Welche Räume kann sie öffnen? Und wie kann Kunst über den Ausstellungsraum hinaus wirksam werden?

Keine fertigen Antworten

Für Julia Benz muss eine Ausstellung nicht mit einer fertigen Antwort enden. Kunst kann vielmehr ein Reizpunkt sein – etwas, das irritiert, berührt, Fragen aufwirft oder die eigene Perspektive verändert.

WHO CARES?! versteht sich deshalb als Einladung, genauer hinzusehen und Fragen mitzunehmen. Die Ausstellung richtet den Blick auf die Bedingungen künstlerischer Arbeit, auf den Körper und auf institutionelle Strukturen. Gleichzeitig fragt sie nach dem Ort, an dem diese Arbeiten gezeigt werden: nach den Möglichkeiten und der Verantwortung des Kunstvereins selbst.

Die Frage bleibt offen:

Who cares?

Vielleicht liegt gerade darin ihre Stärke.

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