Der Kunstverein Schwetzingen wird 50 und feiert das mit zwei Ausstellungen. Die erste in der Orangerie mit Höhepunkten der letzten Jahre: „Best of“. Das sind 16 Künstlerinnen und Künstler aus Köln, Düsseldorf, Leipzig oder Berlin, die alle wieder gerne nach Schwetzingen kommen und hier aktuelle Kunstwerke präsentieren. Es erscheint ein Katalog.

Bei Hitzewarnung bleibt die Ausstellung geschlossen.

Wegen Großveranstaltungen im Schlossgarten ist die Ausstellung am 25.6. ab 17 Uhr und am 23.7. ganz geschlossen. Letzter Öffnungstag ist also der 24.7.

Im Sommer folgt eine zweite Ausstellung im Palais Hirsch mit Mitgliedern des Kunstvereins und dem Titel „reMember“. Ein daran anschließendes Sommerfest ist geplant.

Impressionen:

Katalogtext:

Best of – 50 Jahre Kunstverein Schwetzingen

Im September 1972 wurde der Kunstverein Schwetzingen gegründet. Initiator und erster Künstlerischer Leiter war damals der 2019 leider verstorbene Künstler Otto Mindhoff, der sehr lange in Schwetzingen in der Invalidenkaserne lebte und arbeitete. Ebenda leitete er auch das Xylon-Museum, eine internationale Vereinigung von Künstlern, die sich ganz dem Holzschnitt verschrieben haben. 2007 gründete sich die Künstlerinitiative Schwetzingen (KIS), ebenfalls eine Künstlervereinigung, allerdings lokal und regional ausgerichtet.

Die Versorgung der Schwetzinger mit zeitgenössischer Kunst ist also auch ohne Kunstverein schon ausgezeichnet und für eine mittelgroße Stadt sehr respektabel. Auch unser Kunstverein war ursprünglich eine Künstlerinitiative. Zu erinnern wäre an Ursula Pawlak, die den Verein 1980-2005 leitete. Das freilich änderte sich, als ich 2005 als promovierter Kunsthistoriker die künstlerische Leitung übernahm.

Ich war zuvor Assistent im Heidelberger Kunstverein, einem der größten Kunstvereine in Deutschland, der bereits 1869 begründet wurde. Im 19. Jahrhundert, wurden überall im deutschsprachigen Raum, und nur hier, Kunstvereine als bürgerliche Initiativen gegründet, die sich als gemeinnützig verstehen und keine Interessensvertretung aktiver Künstler darstellen. Vielmehr besitzten sie einen Bildungsauftrag, allen Menschen zeitgenössische Kunst näherzubringen. Diese durchaus idealistische Einstellung galt und gilt nun auch für den Kunstverein Schwetzingen, der sich überregional orientiert und gerne Künstler und Künstlerinnen aus der Hauptstadt Berlin und aus den Kunstzentren Leipzig, Dresden, Köln, Düsseldorf oder München nach Schwetzingen bringt.

Das ist sicherlich ehrgeizig, doch die Künstler kommen gerne ins schöne Schwetzingen. Stadt und Land wie auch andere Sponsoren unterstützen den Kunstverein materiell, und ideell sorgt ein engagierter ehrenamtlicher Vorstand rund um den 1. Vorsitzenden Erik Schnatterer für ein professionelles Arbeiten. Darüber hinaus locken die wunderschönen historischen Räumlichkeiten, die der Kunstverein mit seinen Ausstellungen bespielt. Das sind das barocke Palais Hirsch im Herzen der Stadt sowie die Orangerie und die Kapelle des weltberühmten Schlosses.

Insbesondere die Orangerie ist auch für hochkarätige Künstler interessant, die schon auf der documenta in Kassel oder der Biennale in Venedig bekannt wurden, wie z.B. Helmut Schober mit seinem Mozart-Zyklus (2004), der ultramarinblaue Hans Peter Reuter (2011) oder die Waliserin Laura Ford (2017). Auch andere „Berühmtheiten“ hat der Kunstverein schon in der Orangerie ausgestellt wie den Karlsruher Kunstprofessor Max Kaminsky (2009) oder den Opernregisseur und Bühnenbildner Achim Freyer (2012) bis hin zum Bananensprayer Thomas Baumgärtel aus Köln (2008) oder Wang Shugang aus China (2020).

Darüber hinaus sorgten tolle Themenausstellungen in den letzten Jahren für Aufsehen und Anerkennung wie 2007 „Orange – Frucht und Farbe“, 2010 „Animal Art“, 2014 „Stille Nacht“ und zuletzt 2016 „Suezzo“ aus Anlass des 1250-jährigen Stadtjubiläums.

Wichtig sind und waren aber auch junge, vielversprechende Künstler/innen wie Benyamin Reich (2012), Stefan Rohrer (2014), Anke Eilergerhard (2015) oder Matthias Garff (2021) und immer wieder auch interessante Künstler der Region wie z.B. Dietmar Brixy aus Mannheim (2010). Allen Künstlern gemeinsam ist ein grundsätzlich referenzielles Konzept, das heißt die Kunst ist nicht intellektuell abgehoben und avantgardistisch verstiegen, sondern auch einem breiteren Publikum zugänglich. Die vorgestellten Maler/innen und Bildhauer/innen gehören meist der figurativen Schule an. Alle lassen eine gewisse Sinnlichkeit und Farbenfreude erkennen und erfüllen so die primär ästhetische Position ihres Kurators.

Nicht alle Künstler der letzten beiden Jahrzehnte können in dieser Ausstellung mit dem Titel „Best of“ gezeigt werden, doch alle von mir gefragten sind bereitwillig auf das Angebot eingegangen und freuen sich, wieder bei uns zu sein. Zu den einst in der Orangerie gezeigten Künstlern, die nun mit neuen Arbeiten zurückkehren, gehören der Bananensprayer Thomas Baumgärtel mit überraschend gut gemalten Stilleben, Anke Eilergerhard mit sinnlichen Fiberglasplastiken und Matthias Garff mit neuen Vögeln in Gummistiefeln. Eine der in Schwetzin-gen wohl bekannten blauen Pappeln von Stefan Pietryga darf nicht fehlen, dazu kommen überraschend neue Holzskulpturen. Ihm ist der Kontakt zu Wang Shugang in Peking zu danken, der mit zwei Bronzefiguren vertreten, aber wegen Covid 19 immer noch in China gefangen ist.

Darüber hinaus werden auch Künstler gezeigt, die in der Schlosskapelle zu sehen waren: Thomas Hildenbrand mit seinen spätgotisch anmutenden Engeln aus Lindenholz und Nele Waldert mit ihrer märchenhaften Installation „Im Paradies“.

Kommen wir zu den Ausstellungen im Palais Hirsch. Vertreten ist Amnon David Ar aus Israel, dessen Aus-stellung bereits fertig hing, doch wegen Covid 19 nicht gezeigt werden durfte; Mathias Otto mit seinen dystopischen Nocturnos, insbesondere seinem Bild „Isola“, das unmittelbar auf die Pandemie reagiert.
Heller und farbenfroher sind die Bildern der beiden in Frechen bei Köln in einem gemeinsamen Atelier arbeitenden Künstler Elizabeth Weckes und Matthias Brock mit botanisch-zoologischen Themen, die so wunderbar in das Ambiente der Orangerie passen. In diese Reihe gehört auch Gabi Streile mit neueren Tulpen-Bildern, deren Ausstellung „Asparagus“ 2008 eine Tournee durch die Partnerstädte von Schwetzingen machte, nach Spoleto in Italien, Lunéville in Frankreich und Pápa in Ungarn. Auch Friederike Vahlbruch zeigt in ihren virtuos gemalten Bildern Naturthemen, die freilich digital verfremdet sind und in eine surreale Welt entführen.

Weitere aus dem Palais Hirsch bekannte Künstler sind Mathias Perlet und Marc Taschowsky, der eine ein Vertreter der Leipziger Schule mit durchaus sozial-kritischen Themen und der andere ein Maler der Berliner Szene mit träumerisch verrätselten Bildern einer jungen Phantasiewelt.

Ich danke allen Künstlern, insbesondere auch den hier nicht genannten, die den Kunstverein Schwetzingen in den letzten Jahren begleitet haben. Ich danke meinen Aufbauhelfern, der Schlossverwaltung, der Stadt Schwet-zingen und unserem Vorstand und Beirat, der dafür sorgt, dass unser Kunstverein auch mit 50 Jahren auf den Schultern weiter so lebendig bleibt.

Ihr

Dr. Dietmar Schuth
Künstlerischer Leiter Kunstverein Schwetzingen